Gertrudis-Kapelle
© Samtgemeinde Bodenwerder-Polle/LeoDesignDie Gertrudis-Kapelle in Bodenwerder gilt gemeinsam mit der ehemaligen Schulenburg, dem heutigen Münchhausen-Museum, als ältestes Bauwerk der Stadt. Der Bau des Gebäudes wird auf Mitte des 13. Jahrhunderts datiert, sodass ihr eine hohe geschichtliche sowie städtebauliche Bedeutung zukommt.
Im Laufe der vergangenen Jahrhunderte wurden ihr vielfältigste Nutzungen zugeschrieben sowie eine Vielzahl an Umbaumaßnahmen vorgenommen, welche noch heute ersichtlich sind. So wurde das Gebäude ab dem Jahr 1407 von einem Lehnshof zu einer Kapelle sowie später zu einer Unterkunft, einer Versorgungs- und Beerdigungsstätte umgebaut und erweitert. Mit Beginn der Reformation begann außerdem ein erneuter Umbau der Gertrudis-Kapelle bei welchem durch Einzug einer Zwischendecke ein Klassenraum für eine Lateinschule des landsässigen Adels sowie eine Wohnung entstanden. Auch der berühmteste Sohn der Stadt, Hieronymus von Münchhausen, soll diese Lateinschule bis zu seinem 13. Lebensjahr besucht haben. Bei einer folgenden Umbauphase im 18. Jahrhundert wurde aus dem mittelalterlichen Gebäude ein Gefängnis für Straftäter und Kriegsgefangene. Weiterhin wurde das Gebäude ab Beginn des 20. Jahrhundert zur Unterbringung Obdachloser genutzt. Ab dem Jahr 1997 befand sich hier neben einer Wohnung eine Galerie mit Gemälden von Freddy Göbbels. Der geschichtsträchtige Sandsteinbau sollte zuletzt durch die Uhrmachermeister Dietmar Heiduck und Patrick Freise zur Präsentation des traditionellen Uhrmacherhandwerkes genutzt werden.
Die Gertrudis-Kapelle, die für 800 Jahre Stadt- und Lebensgeschichte steht und in den vergangenen Jahrhunderten zu unterschiedlichsten Zwecken gedient hat, soll nun im Rahmen eines LEADER-Projektes zur Ausweitung des musealen Angebotes der Münchhausenstadt Bodenwerder genutzt werden. Neben der Darstellung des Baron von Münchhausen kann die Gertrudis-Kapelle die Möglichkeit zur Darstellung der Historie der Stadt Bodenwerders bieten. Besonderheit ist dabei, dass die Bauphasen seit dem 13. Jahrhundert durch die Architektur sowie Relikte aus der Vergangenheit noch heute erkennbar sind.
Des Weiteren soll die Gertrudis-Kapelle neben der Integration in das museale Angebot für repräsentative Veranstaltungen, Workshops, Ausstellungen zu stadtgeschichtlichen Themen sowie kulturelle Zwecke genutzt werden.
Hierbei soll der Fokus zu Beginn auf der Nutzung des unter Denkmalschutz sanierten Obergeschosses liegen, doch auch das Untergeschoss soll künftig für BesucherInnen erlebbar gemacht werden.
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