Preisträger 2007 - Tony Marshall

Tony Marshall erhält den Münchhausen-Preis 2007  
Daumen hoch! Die Band applaudiert Tony Marshall, Tony Marshall klatscht der Band Beifall, während sich die rund 700 Besucher erheben, mit Standing Ovations und Bravo-Rufen den Münchhausenpreisträger 2007 gemeinsam mit den "Riverboat Ramblers" begeistert feiern.

Was für eine Show: Ohne Probe, ohne jemals zusammen auf der Bühne gestanden zu haben, jazzen Marshall und die Musiker aus der Ukraine mit sichtbarem Vergnügen wie aus einem Guss. Selbst den Vorjahrespreisträger Dr. Günter Willumeit hält es da nicht auf seinem Sitz. Spontan stürmt er auf die Bühne, um gemeinsam mit seinem Freund Marshall "When the Saints" zu schmettern.

Als Marshall schon nach "Glory Glory Hallelujah", "The Green Gras of Home" und Sinatras "My Way" in der Harald-Juhnke-Version zum gemütlichen Teil übergehen will, überredet ihn Helmut Raabe, Vorstandsvorsitzender der veranstaltenden Stiftung Sparkasse Bodenwerder, noch zu einer sehnlichst erwarteten Zugabe, bittet ihn, in die Rolle des Milchmanns Tevje aus dem Musical Anatevka zu schlüpfen. Marshall lässt sich nicht lange bitten, zieht sich das Hemd aus der Hose, breitet die Arme aus - und präsentiert ohne Mikro und ohne Musikbegleitung einen kleinen Textausschnitt aus Anatevka, singt - natürlich - "Wenn ich einmal reich wär". Fantastisch! Der Saal tobt, staunt, als Marshall nun zum wirklichen Abschluss seines Auftritts gemeinsam mit den "Riverboat Ramblers" noch "Schwarze Augen" auf russisch kredenzt.

Tony Marshall lässt mit Leichtigkeit den Funken aufs Publikum überspringen, hat mit 69 Jahren noch so viel Power, wie ihn sich manche Jugendliche wünschen würden. Seine Fangemeinde ist enorm. Ernyi und Martin Christine waren extra aus Ingolstadt gen Buchhagen gereist, um dort ihr Idol mit einem besonderen Geschenk zu überraschen: einer Tevje-Puppe. 250 Euro hat sich das Paar diesen Spaß kosten lassen - "es ist doch unser Tony".

Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring ist nicht minder eingefleischter Marshall-Fan - man kennt sich von vielen Begegnungen in Hildesheim. Möllring genoss am Samstagabend gemeinsam mit Innenminister Uwe Schünemann, Umweltminister Hans-Heinrich Sander und zahlreichen weiteren Ehrengästen, darunter Matthias Freiherr von Münchhausen nebst Gattin, die nunmehr 11. Münchhausenpreis-Verleihung im Gasthaus Mittendorf in Buchhagen. Schünemann lobte Raabe, dem mit Tony Marshall als Preisträger eine echte Überraschung gelungen sei. Kein Kabarettist, kein Showmaster, kein Schauspieler, sondern Deutschlands prominentester Schlagerstar der letzten fünf Jahrzehnte werde geehrt. Gerade diese Mischung unterschiedlicher Genres zeichne den Münchhausenpreis aus.

Helmut Raabe hatte zuvor Bodenwerder - rein fiktiv - in den schillernsten Farben als Millionärs-Paradies mit Medienzentrum, sinkenden Grund- und Gewerbesteuern und dem höchsten Pro-Kopf-Steueraufkommen in Deutschland dargestellt. Das alles, so Raabe, hätte eintreten können, wenn denn am 14. Juli 1979 die Geschichte einen etwas anderen Lauf genommen hätte. Damals habe Marshall im Rathauspark in Bodenwerder für eine ZDF-Produktion das Münchhausenlied gesungen - in einer Münchhausenuniform, die auf der Rückseite nur von Sicherheitsnadeln zusammengehalten worden sei. Der Song habe das Zeug zum Top-Hit gehabt, doch leider habe sich Marshalls Plattenfirma mit der neuen Produktionsfirma nicht einigen können. Stattdessen habe Marshall den Titel "Bora Bora" gesungen und damit auf der kleinen Südseeinsel einen Touristenboom ausgelöst - dort werde er nun Ehrenbürger. Hätte Marshall das Bodenwerder-Lied zum Erfolg gebracht, dann, so Raabe, hätte es durchaus in der Münchhausenstadt die von ihm genannte Entwicklung geben können.

Gisela Dahlem-Christ, Intendantin des Volkstheaters Frankfurt, würdigte Marshall in ihrer ausführlichen biografischen Laudatio als volksnah, zugleich als Tevje-Traumbesetzung, die ihrem Volkstheater die bisher schönste Arbeit mit sensationellem Erfolg beschert habe.

Bürgermeister Karl-Gerhard Sievers überreichte schließlich gemeinsam mit Helmut Raabe Tony Marshall den Münchhausenpreis der Stadt. Marshall, jubilierte, Vorjahrespreisträger Dr. Günter Willumeit, sei ein toller, ein würdiger Nachfolger, der bodenständig geblieben sei. "Heute", ließ er stimmlich perfekt imitiert die alte Politikergarde von Lübke über Wehner, Brandt und Strauß loben, "ist ein wichtiger Tag."

Marshall wiederum strahlte, hielt den Münchhausenpreis fest umschlossen. Dieser Preis mache ihn besonders stolz, zumal er persönlich viel mit Münchhausen verbinde. Er wünsche sich in Deutschland mehr Münchhausen mit so viel Fantasie. Und wenn er bodenständig sei, so käme nun noch eine weitere Eigenschaft dazu: "Ich bin ein Bodenwerder-ständiger!" Der Preisträger nutzte allerdings auch die Gelegenheit, um scharfe Kritik an US-Präsident Bush und am Irak-Krieg zu üben. Er hoffe, dass Bushs Nachfolger eine viel gescheitere Politik betreibe.

Bereits am Nachmittag hatte sich Marshall gemeinsam mit Dr. Willumeit im Rahmen eines kleinen Empfangs im Hotel "Deutsches Haus" ins Goldene Buch der Stadt eingetragen.

Text: Matthias Aschmann, Foto: Thorsten Sienk, Dewezet Bodenwerder, 16.04.2007

Diese Veranstaltung wird maßgeblich gefördert durch die








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