Schulenburg

Die sog. "Schulenburg" ist eines von drei Gebäuden auf dem ehem. Gutshof der Familie v. Münchhausen. Das Gut besteht als freier Sattelhof in der Stadt Bodenwerder seit dem 13. Jahrhundert (Stadtrecht von 1287) und wurde seither von verschiedenen Adelsgeschlechtern als Lehen gehalten. Die Errichtung des Bauwerkes ist von Braun (Braun/Bühring 1976) anhand der bauhistorischen Merkmale spätestens in die Zeit um 1350 datiert worden. Nach archäologischen Befunden in den Jahren 1990 und 1999/2000, muss die Errichtung des Kernbaues jedoch spätestens in das Ende des 13. Jahrhunderts datiert werden (in der Stadtrechtsurkunde von 1287 ist bereits von "unserer befestigten Stadt" die Rede).

Schulenburg, Außenansicht nach der SanierungEs ist im Kern eines der ältesten Gebäude der Stadt, deren mittelalterliche Bausubstanz ansonsten weitgehend zerstört wurde. Ursprünglich als mehrstöckiger, steinerner Wohnturm mit zeittypischen Treppengiebeln erbaut, erfuhr das Gebäude mindestens drei Umbauten (um 1400/1772/1871). Die archäologischen Befunde brachten auf der Südostecke das Fragment eines Turmes zutage (Treppenturm?), der in der Mitte des 15. Jahrhunderts zerstört bzw., abgebrochen worden ist. Ein Beweis für eine fortifikatorische Sicherung der Anlage. Starke Brandschichten u.a. im Außenbereich des Gebäudes datieren in die Zeit Ende 14./Anf. 15. Jahrhundert. Die in dieser Zeit belegten Stadtbrände (1349, 1397), die möglicherweise auch den Kernbau der Gertrudiskapelle beschädigten, haben möglicherweise zum Abbruch des Turmes und einer Neugestaltung des Gebäudes geführt.
Foto: Nach der Sanierung

Schulenburg, Erdgeschoss vor der SanierungDie nordwestliche Mauer des ursprünglichen Bauwerkes wurde von der Stadtmauer gebildet, die bei der Notbergung 1999 in ihrem weiteren Verlauf freigelegt wurde. Dieser Zusammenhang weist ebenfalls auf eine besondere Funktion des Gebäudes hin. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelte es sich bei dem mittelalterlichen Rittergut mit dem massiven Steinwerk um den Sitz des Homburger Stadtvogtes.
Der durch die über dem Eingang eingelassene Sandsteinplatte datierte Umbau des Steinwerkes durch Hieronymus v. Münchhausen (1772) ließ sich ebenfalls mit der Grabung 1990 nachweisen. Das Kerngebäude wurde offenbar bis auf zwei Stockwerke abgetragen, die ehem. Nordmauer abgerissen und der Bau um etwa die Hälfte seines ursprünglichen Grundrisses erweitert. Über das Aussehen und die Beschaffenheit des oder der Obergeschosse liegen uns keine Nachrichten oder Abbildungen vor. Höchstwahrscheinlich hat es sich dabei auch um eine Fachwerkkonstruktion gehandelt.  Foto: Erdgeschoss vor der Sanierung

Schulenburg, Erdgeschoss nach der SanierungEine solche wurde beim Umbau 1871 durch den Lohgerber Freise errichtet. Sie ist bis heute erhalten geblieben. Der Ausbau mit zahlreichen Dachfenstern und Luken diente der Funktion des Gebäudes als Gerberei, Lager und Trockenboden für die Häute.
Mit der Sanierung in den Jahren 1999/2000 erlebt die "Schulenburg" ihre jüngste Umgestaltung. Die Bausubstanz wurde zunächst gesichert, eine moderne Eingangslösung in Stahl und Glas sowie unterstützende Stahlkonstruktionen im Innern kennzeichnen die vorerst letzte Bauphase. Der Außenbereich wurde ebenfalls neu gestaltet, um die aufgefundenen Relikte der Stadtmauer, das Turmfragment sowie den mittelalterlichen Laufhorizont sichtbar zu machen.
Das baugeschichtliche Gutachten (Popa/Schwarz 1989) sowie die archäologischen Grabungen (Leiber 1990), baubegleitenden Notbergungen (Gehrmann 1999/2000) und Dokumentationen weisen die Schulenburg (neben der Gertrudiskapelle) im Kern als ältestes Gebäude der Stadt aus.  Foto: Erdgeschoss nach der Sanierung

Schulenburg, Obergeschoss nach der SanierungÜberdies finden sich in drei Quellen Erwähnungen eines "slot" bzw. einer Burg zu Bodenwerder. Heinrich von Homburg (1340-1409) übereignet seine Herrschaft dem Herzog von Braunschweig/Lüneburg, da absehbar ist, dass er ohne männlichen Erben sterben wird. Er behält sich zu Lebzeiten jedoch die Nutzungsrechte über Schloss und Gericht zu Bodenwerder vor. 1442 belehnt der Herzog von Braunschweig/Lüneburg Ernst Hake mit einem Burglehen, das "zwischen der Burg und der von Hupede Gute" liegt. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei dem mit "slot" und "Burg" bezeichneten Gebäude um die Schulenburg, dem Sitz des Homburger Stadtvogtes, zumal ihr einstiges Erscheinungsbild mit dem Turm auf der Südostecke einen, wenn auch bescheidenen Herrschaftssitz kennzeichnete.  Foto: Obergeschoss nach der Sanierung






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