Preisträger 2014 - Dieter Hallervorden

 

Den Münchhausen-Preis 2014 erhält Dieter Hallervorden

Glanzvolle Ehrung ohne den Geehrten

Münchhausen-Preisträger Dieter Hallervorden verbringt die Hälfte des Festaktes in der Künstlergarderobe

Buchhagen. Als Komiker „Didi“ hat er in 40 Jahren deutsche Fernsehgeschichte geschrieben. Anfang Mai ist der 78-Jährige für seine Hauptrolle im Kinofilm „Sein letztes Rennen“ mit dem Deutschen Filmpreis als bester Schauspieler mit der „Goldenen Lola“ ausgezeichnet worden. Gestern Abend bekam Dieter Hallervorden im Gasthaus Mittendorf von Bodenwerders Bürgermeisterin Elke Perdacher den „Münchhausenpreis 2014“ verliehen. Doch geriet die Preisverleihung über weite Strecken zum skurrilen Schauspiel.

 

Rund 1200 Gäste waren zur glamourösen Preisverleihung über den roten Teppich in den Saal im Gasthaus Mittendorf geschritten. Und sie erwarteten – wie bei den Münchhausen- Preisverleihungen seit 1997 üblich – um 20 Uhr beim Einzug der Ehrengäste ihren Star des Abends. Doch Dieter Hallervorden kam nicht. Nach 50 Jahren Bühnenerfahrung, so hieß es, sollte er von Lampenfieber geschüttelt sein und die Laudatio durch seinen Weggefährten Ilja Richter lieber hinter der Bühne verfolgen. 

Und so saßen denn Laudator Richter und Hallervordens 16- jähriger Sohn Johannes recht verlassen neben dem leer bleibenden Ehrenplatz des kapriziösen Bundesfilmpreisträgers, der sich – schließlich vom Lampenfieber heimgesucht – auch das liebevoll zusammengestellte Rahmenprogramm nicht zumuten wollte. Doch das lief wie geplant ab: Mit Salonschlagern des Ensembles „Das Taschengrammophon“ und der kontaktfreudigen Oma Elfriede Knörrich; mit den musikalischen Wunderkindern David und Sofie, der Brassband Blech Theater und René Sydow, der satirisch deutsche Wortarbeit vom Feinsten präsentierte.

Für die Veranstalterin des Abends, die Stiftung Sparkasse Bodenwerder, hatte zuvor Vorstandsvorsitzender Thomas Greef nach einem cineastischen Fanfaren- Arrangement der Münchhausen-Musikanten die Anwesenden und besonders die Ehrengäste begrüßt; darunter waren Landwirtschaftsminister Christian Meyer, Holzmindens Landrätin Angela Schürzeberg und Hameln-Pyrmonts Landrat Tjark Bartels sowie das Oberhaupt des Münchhausen-Familienverbandes Matthias Freiherr von Münchhausen. Ein Filmausschnitt aus Dieter Hallervordens Erfolgsfilm „Sein letztes Rennen“ leitete dann zum nicht anwesenden Preisträger des Abends über.

Laudator Ilja Richter charakterisierte Hallervorden in seiner Lobesrede – ohne den Preisträger direkt anzusprechen – denn auch als „einen widerborstigen Charakter, an dem sich schon mancher die Zähne ausgebissen hat“. Und Richter (62), der „Didi“ seit 43 Jahren kennt und mit der Sendung „Disco“ („Hallo Freunde – Hallo Ilja“) ebenfalls  bundesrepublikanische Fernsehgeschichte geschrieben hat, hatte ja auch „Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ vor seiner Laudatio versprochen.

Nervöse Geschäftigkeit des Veranstalter-Teams dann, als es an die eigentliche Preisverleihung gehen sollte; Bürgermeisterin Elke Perdacher stand bereits mit der Trophäe, dem Porzellan- Münchhausen an der Bühnentreppe. Hallervorden hatte sich aber – wegen des Lampenfiebers – immer noch nicht in den Saal gewagt. Erst nach mehreren Aufforderungen trat er dann ins Rampenlicht, nahm Preis und Urkunde und meinte lakonisch: „Ich bedanke mich für den Preis, und  können wir jetzt zu dem eigentlichen Ereignis kommen?”

Und als das dann mit „Didis“ Showblock begann, hatte ihm sein frenetisch applaudierendes Publikum eigentlich schon alles wieder verziehen: Hallervorden hatte zu seiner Ehrung live Ausschnitte aus dem Stück „Am achten Tag schuf Gott den Rechtsanwalt“, das er derzeit in dem von ihm geführten Schlosspark-Theater in Berlin- Steglitz spielt, mitgebracht. Dazu gab es auf der Leinwand Sequenzen aus seinen Produktionen „Court-TV“ und „Schlanke Justiz“. Und der Saal, der laut Preisträger eigentlich so gar nicht für seine Darbietungen geeignet ist, spendete stehende Ovationen. Und die Welt war wieder in Ordnung...

Quelle: Deister- und Weserzeitung, 17. Mai 2014; Text: Joachim Zieseniß

 

„Ein Unterschied wie Tag und Nacht“

Über Dieter Hallervordens Lampenfieber und den charmanten Didi nach der Münchhausen- Preisverleihung

Bodenwerder: Es war ein Unterschied wie Tag und Nacht: Hatte sich der diesjährige Preisträger vor und während  des Festaktes eher kapriziös gegeben, seinen Ehrenplatz im Saal abgelehnt und die Künstlergarderobe hinter der Bühne nicht vor der eigentlichen Preisübergabe verlassen, so zeigte sich der 78-jährige mit 50-jähriger Bühnen- und TV-Erfahrung am vergangen Wochenende dann von einer ganz eigenen Seite: Locker im Freizeitdress, umgänglich, charmant und zu jedem Scherz aufgelegt.

„Da zeigte sich jemand von einer großen Last befreit und als sehr liebenswerter Mensch“, fasst Thomas Greef, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Sparkasse Bodenwerder und Organisator der Münchhausenpreis-Verleihung am vergangen Freitagabend, seine Erfahrungen mit dem diesjährigen Preisträger Dieter Hallervorden zusammen.

So setzte Hallervorden am Samstag persönlich den obligatorischen Stein auf dem Walk of Fame vor dem Rathaus. Anschließend ließen sich Dieter und Sohn Johannes Hallervorden eine halbe Stunde lang durch das Münchhausen-Museum führen und zeigten lebhaftes Interesse am großen Sohn der Stadt.

Bei einer anschließenden Stadtbesichtigung, einer Schiffsfahrt von Polle nach Bodenwerder und dem Besuch der Sommerrodelbahn nahmen sich Hallervorden und Sohn Johannes Zeit, die Region in aller Muße zu erkunden. Thomas Greef, der die beiden begleitete: „Der Münchhausen-Preisträger war ernsthaft am Münchhausenland interessiert und wollte möglichst viel kennenlernen“.

Desinteresse am Festakt der Preisverleihung war es denn wohl wirklich nicht, das Hallervorden zu seinem teilweise recht bizarren Verhalten am Freitag bewegt hat. Denn alle, die Didi näher kennen, wissen, dass er auch nach einem halben Jahrhundert Showerfahrung immer noch ernsthaft mit Lampenfieber zu kämpfen hat; und hier speziell mit einen Horror vor zu großen Sälen. Gewohnt, vor der Kamera zu stehen und intime Säle mit 400 bis 600 Sitzplätzen zu bespielen, habe der Künstler einen Schick bekommen, als er den gigantischen Mittendorf-Saal mit seiner 1200-Gäste-Kapazität vor der Preisverleihung gesehen habe, berichtet Veranstalter Greef.

Und allein der Gedanke daran, beim obligatorischen Aufmarsch der Ehrengäste durch den voll besetzen Saal zu seinem Platz an der Bühne schreiten zu müssen, habe ihn dieses trotz guten Zuredens seines Sohnes ablehnen lassen. Hallervordens Erklärung für seine Lampenfieber am Abend der Preisverleihung: „Ich weiß, dass ich einmal bei einem Auftritt versagen werde, und bete immer: Lass es nicht heute sein.“

Quelle: Deister- und Weserzeitung, 20. Mai 2014; Text: Joachim Zieseniß

 

Bericht: Deister- und Weserzeitung, 17. Mai 2014

Bericht: Deister- und Weserzeitung, 20. Mai 2014

 

 






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